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Geschichte Lichtenbergs

Das eigentliche Dorf Lichtenberg ist erst in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Zuge der deutschen Kolonisation des Barnims unter den Askaniern gegründet worden. Erstmals wurde Lichtenberg in einer Urkunde vom 24. Mai 1288 erwähnt, in der der Streit über die Grenze zwischen dem der Stadt Berlin gehörenden Dorf Stralau und dem Dorf Rosenfelde (später Friedrichsfelde) beigelegt wurde. Genannt wird dabei auch ein Ritter Ruthenick. Dieses Rittergeschlecht war, wie ausdrücklich bezeugt wird, von altersher im Besitz des Dorfes Lichtenberg.

Der Name Lichtenberg geht vermutlich auf eine im Wald gelegene Lichtung („der Lichte Berg“) zurück, in deren Nähe man die Siedlung anlegte. Das Dorf Lichtenberg, das zu den größten im Umkreis von Berlin zählte, war nach dem Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 mit 64 Hufen aufgeführt, eine Hufe beträgt ungefähr 17 Hektar; das heißt Lichtenberg besaß ungefähr 1.000 Hektar reinen Ackerlandes. Wald, Wiesen, Gärten, Unland, Gewässer zählten nicht dazu.

Im Landbuch wird auch die Existenz einer Kirchengemeinde in Lichtenberg zum ersten Mal erwähnt. Bei der Übereignung des Dorfes Lichtenberg an die Stadt Berlin im Jahre 1391 wird das Kirchlehen ausdrücklich mit übertragen. Damit kam Berlin gleichzeitig in den Besitz des Patronats über die Lichtenberger Kirche. Wie lange Lichtenberg eine eigene Pfarre gebildet hat, lässt sich nicht genau nachweisen. Wahrscheinlich hat man sich durch die Kriegsunruhen bewogen gefühlt, die Pfarrstelle Lichtenberg, zu einer Zeit als diese sehr klein war, mit der Gemeinde von Rosenfelde (heute Friedrichsfelde) zusammenzulegen. 1548 wurden die kirchlichen Handlungen dem Prediger von Rosenfelde übertragen. Aber trotzdem bewahrte sich die Kirche Lichtenbergs ihre Eigenschaft einer selbstständigen Muttergemeinde weiterhin auf.

Im Jahre 1390 starb der letzte Ritter-Besitzer Lichtenbergs, Zabel Ruthenick, ohne Nachkommen zu hinterlassen. Das Dorf Lichtenberg fiel deshalb als erledigtes Lehen an den Markgrafen als Lehnsherrn zurück. 1391 geriet Lichtenberg durch Kauf als Kämmereidorf unter die Verwaltung der Berliner Ratskämmerei. Zudem betrieb Berlin in Lichtenberg eine Gutswirtschaft, ein sogenanntes Vorwerk. Die Stadt war darauf bedacht, aus ihren Kämmereidörfern möglichst hohe Einnahmen zu erzielen. Den Lichtenberger Bauern war diese Grundherrschaft jedoch nicht sonderlich angenehm.

Wie auch andere Dörfer durchlebte Lichtenberg alle Höhen und Tiefen der märkischen Geschichte. Krieg, Pest, Brände und Heuschreckenplagen setzten dem Dorf schwer zu. Über Jahrhunderte stagnierte die Bevölkerung: 1624 wurden 219 Dorfbewohner gezählt, 1801 erst 371, mit den Kolonien auf der Lichtenberger Gemarkung waren es 437.

Die von Friedrich II. (1740 - 1786) geförderte Kolonisierung brachte auch dem Dorf Lichtenberg durch die Gründung der heute nicht mehr existenten Kolonien Friedrichsberg (1771) und Lichtenberger Kietz (1783) eine erhebliche Gebietserweiterung.

Bereits zu dieser Zeit entwickelte sich Lichtenberg zu einem Villenvorort und beliebten Ausflugsziel für die Berliner Bevölkerung. 1786 ließ sich der damalige Gouverneur von Berlin, Generalleutnant Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff, in Lichtenberg ein schlossähnliches Landhaus mit einem großen Park errichten. 1907 erwarb die Gemeinde das Anwesen und ließ es zum heutigen Stadtpark umgestalten.

1882 setzte eine erste bedeutende Randwanderung der Berliner Industrie ein, die auch Lichtenberg stark veränderte. Erheblich wurde der Anschluss des Lichtenberger Gebietes an die Berliner Stadtentwicklung durch direkte Verkehrsanbindungen an die Ring-, Stadt-, und Vorortbahnen gefördert.

Die Einwohnerzahlen stiegen ständig an: Waren es 1871 erst 3.244 Einwohner, hatte Lichtenberg 1905 bereits 55.391. Um 1900 nahmen an der Peripherie des Ortes Gas- und Wasserwerke ihren Betrieb auf.

Nachdem sich der Ort immer weiter nach Osten und Norden ausdehnte, erhielt die Gemeinde 1901 einen neuen zentralen Mittelpunkt um den Wagnerplatz, der seit 1935 Roedeliusplatz heißt (nach Wilhelm-Albert Roedelius, seit 1874 erster Amtsvorsteher des neuen Amtsbezirkes Lichtenberg). Als erste größere Gebäude entstanden hier 1903 - 1906 das von Paul Thoemer und Rudolf Mönnich in Anlehnung an westfälische Barockbauten entworfene Amtsgericht sowie 1903 -1905 die wuchtige Glaubenskirche mit ihren 61 Meter hohen Türmen, die nach Plänen von Ludwig von Thiedemann und Robert Leibnitz im spätgotischen Stil ausgeführt wurde.

Krönung und sichtbares Zeichen dieses erwachten städtischen Selbstbewusstseins aber wurde das Rathaus. Es wurde am 11. November 1898 feierlich eingeweiht und gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der Backsteingotik in Berlin. Als Architekt wird der Gemeindebaumeister Ernst Knipping genannt. Doch nach dem neuesten Stand der Erkenntnisse ist dieses unwahrscheinlich; der Architekt des Lichtenberger Rathauses ist wohl unbekannt.

Außerdem wurde der stattliche Bau der evangelischen Glaubenskirche errichtet. Die gegen Ende des Jahrhunderts stark gewachsene Bevölkerungszahl Lichtenbergs machte diesen Kirchenneubau notwendig.

Das Rathaus indes trug seinen guten Teil dazu bei, nun die Verleihung der Stadtrechte für Lichtenberg einzufordern. Seit Juli 1900 hatte Gemeindevorsteher Oskar Ziethen die Verleihung der Stadtrechte durch die Staatsregierung beantragt. Am 20. Februar 1907 stimmte der Provinziallandtag der Provinz Brandenburg dem Antrag Lichtenbergs auf Annahme der Städteordnung von 1853 zu, und dies wurde schließlich per Allerhöchstem Erlass vom 15. Oktober 1907 gestattet. Lichtenberg erhielt die Stadtrechte und bildete 1908 einen eigenen Stadtkreis. Die Stadtverordnetenversammlung wählte Oskar Ziethen zum ersten Bürgermeister, nach dem später das Krankenhaus benannt wurde.

Am 1. Januar 1908 hatte die neue Stadtgemeinde Lichtenberg laut Meldeamt 70.150 Einwohner. Ab 1912 gehörte auch die Landgemeinde Boxhagen-Rummelsburg dazu. Hier war 1872 - 1875 die Arbeitersiedlung Viktoriastadt errichtet worden, die als die erste in Beton errichtete Wohnsiedlung der Welt gilt. 1920, im Jahr der Eingemeindung Lichtenbergs nach Berlin, stieg die Einwohnerzahl auf 145.000 an.

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Glaubenskirche

 

Bild Peter Radziwill

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